[HowTo] FRITZ!Box in Österreich

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[HowTo] FRITZ!Box in Österreich

Beitragvon Blanck » Di 29 Dez, 2009 00:10

    Ein Versuch, umfassend zu erklären, damit andere in Zukunft schneller zum Ziel kommen als der Verfasser.


    Ausgangslage:

    Von den Providern in Österreich wird meist davon ausgegangen, dass man folgenden Aufbau haben möchte - den wir hier abwandeln wollen - oder man findet diesen Aufbau bereits vor und möchte ihn durch Einsatz einer FRITZ!Box ablösen:
    Anschlussdose -- Splitter -- DSL-Modem -- ein PC oder
    Anschlussdose -- Splitter -- DSL-Modem -- Router -- PCs
    An der Anschlussdose hängt meist auch ein Telefon etc.
    Als DSL-Modem ist meist ein Alcatel Speedtouch verbaut.


    Zielstellung:

    Anschlussdose -- Splitter -- FritzBox -- PCs (und Telefon)
    Wahlweise kann, wenn eine FRITZ!Box Fon eingesetzt wird, auch das Telefon über die FRITZ!Box angeschlossen werden, statt direkt an der Telefondose. Auf die der FRITZ!Box eingebaute sehr gute Telefonanlage mit Anrufbeantworter und Least-Cost-Routing-Möglichkeit wird hier nicht weiter eingegangen, dazu gibt es die Herstelleranleitung.


    Unterschied DSL Deutschland vs. Österreich:

    In Deutschland ist die gesamte Telekommunikationsinfrastruktur zum Endkunden hin sehr stark durch das ISDN geprägt, seitdem die Deutsche Post und dann deren Nachfolger Deutsche Telekom den ISDN-Ausbau als oberste Maxime verfolgt haben. Das dürfte in seinem Ausmaß weltweit ziemlich einmalig sein. Das ISDN benötigt einen größeren Frequenzbereich auf der Leitung, als POTS-Telefonie. Für DSL steht dann also ein engerer Frequenzbereich zur Verfügung. Deshalb gibt es zwei Unterschiedliche, im Standard definierte Ausprägungen der DSL-Frequenzbereiche: Annex A und Annex B.
    • Annex A kann(!) eingesetzt werden, wenn neben DSL ausschließlich analoge Endgeräte angebunden werden sollen.
    • Annex B muss(!) eingesetzt werden, wenn neben DSL ISDN auf der Leitung eingesetzt wird oder auch ein einfacher alter Gebührenzähler/Gebührenanzeiger.
    Der Carrier wählt und implementiert, der Kunde muss sich mit dem passenden Gerät anschließen. In Deutschland wird grundsätzlich Annex B verbaut, auch wenn dadurch in den meisten Fällen ein gewisser Frequenzbereich - also Bandbreite - verschenkt wird, in Österreich abhängig vom Bedarf, in den meisten Fällen also Annex A, manchmal Annex B.


    Unterschied FRITZ!Box Deutschland vs. Österreich:

    AVM bietet aus oben genanntem guten Grund separate Varianten seiner Produkte für den deutschen (Annex B) und den österreichisch/schweizerischen (Annex A) Markt an. Das greift - wie oben erklärt - etwas zu kurz, weil man in Österreich auch Annex B-Anschlüsse findet und dann tatsächlich die "deutsche" Annex B-Box einsetzen muss. AVM lässt sich über die Unterschiede in der Hardware nicht öffentlich aus. Im IP-Phone-Forum gehen die Berichte bis etwa 2007 davon aus, dass die DSL-Eingangsschaltung unterschiedlich ist je nachdem, ob es sich um ein Annex A oder Annex B-Gerät handelt. Die Berichte ab 2007 behaupten, dass diesbezüglich kein Unterschied besteht. Definitiv haben die deutschen und die österreichisch-schweizerischen (A-CH) Geräte wegen der unterschiedlichen Annex A/B-Frequenzfilter unterschiedliche Firmware, und man kann diese nicht zwischen den Geräten austauschen (also z.B. einfach eine Annex A-Firmware auf eine "deutsche" Annex B-FRITZ!Box spielen). Technisch ist der Austausch des DSL-Treibers - mit einigen Klimmzügen - zwar möglich, aber man verliert jeden AVM-Support.
    Möglicherweise unterscheiden sich auch die mitgelieferten Kabel, denn die deutschen Splitter haben üblicherweise RJ45-Buchsen, die österreichischen RJ11. Die deutschen Telefonstecker sind 6-polig, die österreichischen 8-polig.


    Habe ich Annex A oder Annex B?

    Es gibt harte Fakten und weiche Hinweise:

    Fakten sind:
    • Angaben des Providers zum spezifischen Anschluss
    • Genaue Angaben in der existierenden Installation, z.B. durch Ansehen der Alcatel Speedtouch Konfiguration über das eingebaute Web-Interface. Im Beispiel des angehängten Screenshots "ADSL über ISDN", also Annex B.
    • Ein vorhandener ISDN-NTBA oder Gebührenzähler erfordern Annex B.
    • Leider ist der installierte Splitter nicht aussagekräftig. Z.B. ist der Alacatel "1000 ADSL LP" mit der Typenbezeichnung "3EC 16039AE" lt. Hersteller für ADSL über POTS vorgesehen, wird aber definitiv auch für Annex B eingesetzt.
    Hinweise sind:
    • für Annex A: nur analoge Telefone oder Fax-Geräte angeschlossen; in Österreich die meisten Anschlüsse
    • für Annex B: ISDN-Gerät vorhanden, Telefonanlage angeschlossen. Aber auch dies sind nur Hinweise, denn ISDN-Geräte können auch hinter einer Telefonanlage hängen, die zum Carrier ein POTS- und kein ISDN-Interface hat. Solche TK-Anlagen gibt es, z.B. die FRITZ!Box 7170 ;-)

    Welche FRITZ!Box kann in Österreich eingesetzt werden?

    Da AVM viele verschiedene Modelle anbietet, ist es nicht möglich, hier eine Übersicht anzubieten, die nicht schnell veraltet wäre. Deshalb nur einige prinzipielle Überlegungen und Beispiele:
    • Man kann theoretisch die DSL-Treiber für Annex A und Annex B gleichzeitig haben, wenn der Speicher dafür ausreicht und man in der Konfiguration dann wählen kann. Praktisch bietet AVM dafür auch z.B. die österreichisch/schweizerische 7270 mit eigener Artikel-Nr. an (Stand Ende 2009).
    • Bei der 7170 aber z.B. reichen die 8 MB Speicher dafür nicht aus, man muss sich also beim Kauf für die deutsche (Annex B) oder die österreichisch/schweizerische (Annex A) Box entscheiden.
    • Man kann - wie oben erwähnt unter viel Mühen und Verlust der AVM-Garantie - die Firmware einer Annex B-Box auf Annex A umbauen und umgekehrt. Das wäre dann z.B. vielleicht sinnvoll, wenn man eine alte deutsche FRITZ!Box übrig oder billig erworben hat. Es gibt viele Berichte über erfolgreiche Operationen dieser Art. Der zeitliche Aufwand für Anleitungsrecherche und die Durchführung (Linux erforderlich) ist aber hoch. Siehe dazu den separaten Abschnitt unten.

    FRITZ!Box umbauen von Annex B auf Annex A, wenn nötig:

    Glücklich ist der Leser, der das nicht nötig hat. Er kann diesen Abschnitt überspringen, einem Freund beim Umzug helfen, und hat immer noch viel Zeit gespart.
    Nicht hilfreich ist es, lediglich die "Kernel Args" oder die Bootloader-Environment-Variablen zu ändern, was in manchen Beiträgen als Lösung dargestellt wird.
    Es gibt aber drei Methoden, sich der AVM-Garantie sinnvoll und erfolgreich zu berauben, auf die ich hier nur verweisen möchte:
    Alle drei Methoden erzeugen komplett neue Firmware-Images: Der DSL-Treiber wird ausgetauscht. Wenn man sich kein reines Annex A-Image, sondern ein Multi-Annex-Image erzeugt haben sollte, ist zu bedenken: Multi Annex-Images sind Annex B bis diese per GUI Menü auf Annex A umgestellt werden.


    Splitter-Anschluss zur FRITZ!Box für reines DSL:

    FRITZ!Boxen haben eine RJ45-Buchse (8-polig) für das DSL-Interface ("DSL/TEL" beschriftet). Deutsche Splitter haben ebenfalls eine RJ45-Buchse, österreichische eine RJ-Buchse (4-polig) oder ein Kabel mit RJ11-Stecker, das aus dem Splitter herausgeführt ist. Das passt nur auf den ersten Blick nicht zusammen. Für das DSL werden nur die beiden mittleren Kontakte der RJ11-Splitter-Buchse und der RJ45-FRITZ!Box-Buchse verwendet. (Auch ein zweiadriges Kabel würde ausreichen.) Also kann man getrost ein vom Splitter kommendes RJ11-Kabel in die breitere Buchse der FRITZ!Box stecken. Es spielt noch nicht einmal eine Rolle, ob das Kabel die Adern 1:1 oder gedreht führt, solange die mittleren beiden in der Mitte bleiben.
    Mit dieser einfachen Lösung funktionieren DSL und Internet-Telefonie, auch mit an die FRITZ!Box angeschlossenen Telefonen.
    Man hat sich aber die Möglichkeit verbaut, Gespräche von diesen Telefonen über POTS/ISDN zu führen. Um dieses Problem zu lösen, siehe folgenden Abschnitt. Nicht verbaut hat man sich die Möglichkeit, Telefone wie bisher an der Telefondose (statt hinter der FRITZ!Box) zu betreiben, und damit wie bisher über das POTS oder ISDN zu telefonieren.


    Splitter-Anschluss zur FRITZ!Box mit Telefonen:

    (Zur Erinnerung: RJ11 ist 4-polig, RJ45 ist 8-polig, die beiden sind leicht zu unterscheiden.)
    Wenn man die FRITZ!Box auch als Telefonanlage benutzen will, reicht das oben beschriebene einfache RJ11-Kabel zwischen Splitter und DSL/Tel-Buchse nicht aus, sondern man muss das mitgelieferte Y-Kabel verwenden.
    Die folgende Beschreibung gilt für die Splitter-Anbindung an die Telefondose, bei der nur ein Kabel von der Telefondose zum Splitter geht (und darin zwei der vier Adern zurück zu den Telefon-Buchsen der Dose gehen), und nur ein weiteres Kabel oder eine Buchse aus dem Splitter herausgeführt ist (DSL).
    Das "deutsche" FRITZ!Box-Y-Kabel kommt nun leider mit für Österreich falschen Enden:
    Das DSL-Ende hat einen RJ45-Stecker. Man kauft eine einfache RJ45-Kupplung (mit zwei RJ45-Buchsen) und (wenn nicht schon vorhanden) ein einfaches, nicht zu langes RJ11-Kabel, um dieses Ende mit dem Splitter zu verbinden. Beides gibt es im Elektronik-Geschäft oder -Kaufhaus in der Ecke mit den Computer-Kabeln. Man kann den schmaleren RJ11-Stecker problemlos in die breitere RJ45-Kupplung stecken; nur die nicht benötigten Kontakte werden dabei weggedrückt.
    Das Telefon-Ende hat ebenfalls einen RJ45-Stecker. Den kann man direkt verwenden, wenn man einen ISDN-Anschluss hat. Wenn es ein analoger ist, benutzt man die der deutschen FRITZ!Box mitgegebenen Utensilien: Das Tel-Ende des Y-Kabels kommt in den Adapter, der aussieht wie ein überbreiter Telefonstecker. Diesen steckt man wiederum in die mit "1" beschriftete Buchse der dreifach-Telefonkupplung, die ein RJ11-Ende hat. Viele Telefone kommen mit einem Adapter, der aussieht wie ein österreichischer Telefonstecker, aber unten kein direkt angeschlossenes Kabel hat, sondern eine RJ11-Buchse. Diesen Adapter kann man ebenfalls im Elektronik-Geschäft erstehen. Er ist das letzte Glied der Kette und wird in der Telefondose genau dort gesteckt, wo vorher das Telefon direkt steckte.
    Hier weiteren zur Information die Belegung des DSL/Telefon-Kabels (Y-Kabel) für FRITZ!Box Fon mit kombinierter DSL/Telefon-Buchse, z.B. FBF 5140, FBF 7141, FBF 7170, …:
    Code: Alles auswählen
    DSL/Telefon-Stecker --------- Telefon-Stecker ------------------ DSL-Stecker
    (RJ45, für Fritzbox)   (RJ45, für ISDN-NTBA / TAE-Adapter)   (RJ45, für Splitter)
           1 ----------------------- 4 (ISDN 1a)
           2 ----------------------- 5 (ISDN 1b)
           3 ----------------------- 1 (analog a)
           4 -------------------------------------------------------- 4 (DSL a)
           5 -------------------------------------------------------- 5 (DSL b)
           6 ----------------------- 8 (analog b)
           7 ----------------------- 3 (ISDN 2a)
           8 ----------------------- 6 (ISDN 2b)


    PPTP, PPPoA oder PPPoE?

    Die Telekom Austria (TA) und manche andere Provider verlangen das PPTP zur Authentifizierung. Bei näherer Betrachtung der Provider-Anleitung stellt sich aber heraus, dass das PPTP auf der IP-Adresse 10.0.0.138 terminiert. Das ist die IP-Adresse des DSL-Modems beim Kunden. PPTP wird nur zwischen Kunden-Router oder PC einerseits und dem ADSL-Modem andererseits gesprochen. Das ADSL-Modem spricht zum Carrier PPPoA, bei einigen Providern wohl auch PPPoE. Da die FRITZ!Box das ADSL-Modem eingebaut hat, also das Alcatel-Gerät ersetzen soll, muss sie also auch kein PPTP sprechen (was sie auch nicht kann), sondern PPPoA (oder PPPoE) zum Carrier hin, und LAN-seitig einfach nur IP. Mit anderen Worten: Die PPTP-Anforderung verschwindet zusammen mit dem separaten DSL-Modem.
    Ob nun PPPoA oder PPPoE zum Zuge kommt, ist keine Kundenoption, sondern vom Carrier vorgegeben. Leider hat man nicht ohne weiteres die Möglichkeit, das richtige Protokoll herauszubekommen. Bei der Telekom Austria scheint es den Berichten in den Foren nach PPPoA zu sein. Tatsächlich ist die einzige Einstellung, die meistens funktioniert, die, der FRITZ!Box die Entscheidung zu überlassen: "Alle ATM-Einstellungen automatisch erkennen".
    Die Authentifizierung erfolgt von der FRITZ!Box aus mit den vom Provider für PPTP mitgeteiltem Benutzernamen (Login-ID, User-ID) und Passwort. Wenn der Benutzername wie eine Email-Adresse aussieht, nicht vergessen, den Teil hinter dem @ auch einzutragen.
    (Nebenbemerkung: Dem, der sein Alcatel Speedtouch DSL-Modem behalten und von PPTP auf PPPoE umkonfigurieren möchte, weil er - warum auch immer - z.B. eine FRITZ!Box hinter dem Speedtouch betreiben möchte, sei der Beitrag http://www.isoc.org.il/~doron/PPPoE.html aus Israel an Herz gelegt. Wir wollen das Gerät aber hier gleich ganz ersetzen.)


    ATM-Parameter:

    DSL ist ein ATM-Dienst. Der Carrier legt fest, welches Link-Layer-Protokoll und welche virtuellen Pfade (VPI) und Kanäle (VCI) er für die ATM-Verbindung zum Kunden verwendet. Es gibt Berichte, nach denen das bei der Telekom Austria VC-Mux und folgende VPI/VCI-Paare sind:
    Annex A: 8/48
    Annex B: 8/48, 8/64 oder 8/67
    Für andere Carrier findet man auch andere Angaben.
    Mit diesen Werten - und allen anderen - kann man also experimentieren. Bei der FRITZ!Box muss man sich unglücklicherweise in der selben Einstellung auch für PPPoA/LLC, PPPoA/VC-Mux oder PPPoE entscheiden. Man hat also kubisch viele Möglichkeiten zur Fehlkonfiguration, wenn man nicht genau weiß, was man nun wählen soll.
    Meist funktioniert ganz einfach wiederum die Einstellung, mit der man es der FRITZ!Box überlässt: "Alle ATM-Einstellungen automatisch erkennen". Es ist eben doch ein gutes Produkt.


    weiterführende Informationen:

    In den beiden Foren http://xdsl.at und http://www.ip-phone-forum.de/ tummeln sich einige (wenige) kundige Leute. Im deutschen IP-Phone-Forum muss man darauf achten, dass viele ihre Meinung ohne Kenntnis der österreichischen Gegebenheiten kundtun, also etwas vorsichtiger lesen.
    Unter http://www.wehavemorefun.de/fritzbox/index.php/AVM_Wiki gibt es inoffizielles FRITZ!Box-Wiki.
      Dateianhänge
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